Wie die Fliege zu ihrem grünen Fleck kam

Variationen

© 2000 by Frank Rahde

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I.

Er verspürte Schmerzen im Unterleib und war sehr erstaunt darüber. Wie war das möglich? Seit er im genetischen Buch am Kapitel „Der achte Tag“ las, suchten ihn diese irdischen Qualen auf. Er schob sie darauf, daß er sich mit der Entscheidung nicht leicht tat, ob er Marx dem Nietzsche nachfolgen lassen sollte oder umgekehrt. Ihn beschlich dabei kurz der irrige Gedanke, daß ein jenseitiges Wesen ihn solche Fragen durcharbeiten ließ. So als ob es Einen über ihm gäbe, dem er ausgeliefert wäre. Doch er wischte diesen erschreckenden Gedanken hastig weg, denn er war der felsenfesten Überzeugung, daß er selbst den Ausgangspunkt der Schöpfung darstellte.
Als nun unser Gott die komischen und nervenden Reize nicht mehr aushielt, stellte er sich auf eine Lichtbrücke und öffnete seine Blase. Er blickte genüßlich auf den sich nun ergießenden Strahl, der sich unten in einen doppelten Regenbogen verwandelte. Dieser umspannte geschwind mit all seinen Farbringen das provisorisch gebaute Paradies, das durch die Wolken hindurchschimmerte. Es bestand aus einer kargen Wiese, die noch einige schwarze Löcher aufwies, denn er bastelte noch an einigen Details. Während der Druck nachließ, spürte er, wie ein harter rundlicher Gegenstand sich über die Harnröhre in die Freiheit wälzte. Er vermutete, daß ein Nierenstein im Begriff war, ihn von seinen Schmerzen zu erlösen. Den Menschen hatte er eine Niere eingepflanzt, weil auch er eine besaß und sich darin auskannte - so einfach war das. Das zum Vorschein kommende faustgroße Steinchen entpuppte sich aber in Wahrheit als ein harmloser Apfel, der mit großer Geschwindigkeit hervorschoß. Gott konnte ihn nicht mehr einfangen, sondern nur noch hoffen, daß sein Werk zu seinen Füßen nicht zerstört werden würde. Das hinunter sausende Objekt bohrte sich in das feuchte Erdreich. Sogleich erwuchs in Zeitraffer ein Baum: der Baum der Erkenntnis!

Neben dem Schauplatz, an dem das segensreiche und schattenspendende Gewächs entstanden war, lagen zwei unbekümmerte Wesen. Es waren Adam und Eva, die die Veränderung ihrer Umgebung gar nicht bemerkten. Gott wunderte sich darüber und war fast froh. Er schaute daraufhin genauer hin: Warum waren die Bombardierten so beschäftigt, daß sie das Geschehen um sich herum gar nicht wahrnahmen? Sie nahm Adam gerade ein zusammengerolltes und halb abgebranntes Blatt aus dem Mund und zog mit ihrer Lunge daran. Beide rauchten Cannabis. Gott blickte verdutzt auf und drehte sein gesichtsloses Gesicht zur Seite, wo der Terminkalender hing. Er zählte die dunklen Wolken und stellte erschrocken fest, daß der siebente Tag längst angebrochen war, an dem es die Pflicht seiner Kinder gewesen wäre, sich der Fortpflanzung zu widmen. Jedoch hatte er beide gerade dabei ertappt, wie sie nutzlos auf der Wiese herumgammelten und sich mit Drogen den trüben Tag verschönerten.
Da schlich sich unabsichtlich Zorn in sein Herz und er griff nach dem nächstbesten Donner- und Blitzpfeil, der an der Horizontwand wie Küchenzubehör hing. Mit aller Kraft schleuderte er ihn in Richtung des ungezogenen Pärchens, um es zu erschrecken. Gleichzeitig ärgerte er sich darüber, daß die Schlange der Verführung offensichtlich ihre Mission vergessen hatte. Wie sonst war die Tatsache zu erklären, daß seine beiden Kinder nicht erwachsen wurden und sich nicht mit den ehelichen Pflichten bekannt gemacht haben? Der erste Wurf mißlang. Die Naturgewalt fiel durch eines der „Baugruben“, die die Insel wie ein Sieb erscheinen ließen. Weit entfernt vom Ort des Geschehens brach sie wieder durch eines der „Löcher“ hervor, schlug den Rückweg ein und zischte mit drohendem Krach knapp am Lufthaus von Gott vorbei. Beim zweiten Versuch zielte er keineswegs genauer. Er fluchte über seine stetige Ungeschicklichkeit. Der Lichtschreck samt Donnergrollen fuhr in den Baum und verkrüppelte diesen leicht. Der Donner im Schlepptau kam erst gar nicht über den Köpfen der Ertappten an, sondern pendelte zwischen den Himmelsrichtungen wie ein Ping-Pong-Ball. Es kam, wie es kommen mußte.
Nur eine Fliege erlebte die Erschütterung. Sie hatte es sich wie viele andere ihrer Art auf einem der grün leuchtenden Apfel bequem gemacht und wollte damit beginnen, heimlich von der Baumfrucht zu naschen. Doch ihr Rüssel vermochte die wachsartige Außenhülle nicht zu durchdringen. Es schien, als sei das Innere nicht für ihren Hunger bestimmt. Ihr kam gar nicht zu Bewußtsein, daß sich ihr kleiner Freßplatz, auf dem sie rastete, gerade vom Ast gelöst hatte und zu Boden fiel. Kurz bevor er aufschlug, schaffte sie es zum Glück, ihre Flügel aufzuspannen. Der Sog half ihr, vom rutschigen Untergrund abzuheben und einige Meter auf Distanz zu fliegen. Sie landete völlig erschrocken auf dem Blatt, das sich vom Stiel des untergegangenen Apfelplaneten abgelöst hatte. Der Apfel selbst traf  die linke Pohälfte von Adam, der daraufhin miesgrämig aufheulte. Anschließend rollte das heilige Fallobst der voyeristischen Schlange genau gegen den Schädel.

Mit gierigen Augen hatte diese das rauchige Treiben der beiden Menschen belauert und wartete nur auf ihren wichtigen Moment, wenn Eva einmal allein in der Nähe des Baumes sich aufhalten würde. Vom Zusammenstoß mit der Naturalie bekam sie nicht nur eine dicke Beule, sondern sie stürzte in ein ungeahntes Delirium. Ihr wirrer Blick entließ die in der Ferne ruhenden Körper in ihr Schicksal und fiel auf die sich in ihrer Nähe zurechtmachende Fliege. Ihre Augen bekamen wieder den verdächtigen Glanz und sie vollführte das überfällige Werk, dessen Vollzug ihr oblag. Sie mühte sich redlich, die Fruchtfliege dazu zu animieren, endlich den zähflüssigen Saft zu schlürfen, der sich darunter befand. Durch den Fall hatte der Apfel Schaden genommen, so daß er halb zermatscht bereitlag. Die Fliege kam nun ohne Schwierigkeiten an ihr Labsal heran, aber sie nahm zuviel davon zu sich. Auch verspürte sie plötzliche Übelkeit aufgrund des eben überlebten Schockerlebnisses. Sie mußte einen Großteil der Nahrung wieder hervorwürgen und bekleckerte sich mit dem Inhalt ihres „Magens“. Der hervorgerufene grüne Fleck auf ihrem Leib kümmerte sie dabei wenig.
In der Zwischenzeit war Adam gemächlich aufgestanden und suchte nach dem Ding, was von oben heruntergepurzelt war und durch sein Hinterteil gnädig abgebremst wurde. Er fand den leicht ausgetrockneten und zersplitterten Apfel am gefährlich vibrierenden Schwanz einer dicken Schlange und nahm ihn unbeeindruckt an sich. Mit gesundem Appetit und weit aufgerissenem Kiefer biß er hinein. Nachdem er den Krieps mit typisch männlicher Geste wegwarf, wurde ihm allmählich anders zumute. So, wie der vorige Rauschzustand die Lust auf das Verzehren des auf seinem Hintern zwischenlandenden Apfel geweckt hatte, so erzeugte der Apfelgenuß auf einmal in ihm eine radikalere Lust. Er schaute Eva, die nackt und kichernd auf dem Gras saß und alles mit angesehen hatte, mit feuchten und vergrößerten Augen an. Sehr erregt stürmte er nun zu ihr hin. Eva bekam es mit der Angst zu tun, als sie an ihm ein neues Körperteil entdeckte, aber da war es schon zu spät gewesen. Und unsere arme Fliege? Sie war auf dem Blatt eingenickt, das ein Windstoß erfaßte und aus dem Paradies heraustrug.

II.

GOTT war schwanger. Daran ließ sich nichts mehr ändern. In Ermangelung eines weiblichen Pendants mußte er sich am Vormorgen des Ersten Tages selbst befruchten. Es gelang nicht sofort, er hatte mehrmals Anlauf genommen. Dies irritierte natürlich den perfektionistisch veranlagten und sich alles zutrauenden Schöpfer. Er freute sich auf das Baby der Weisheit wie eine Mutter. Doch der Vater in ihm machte sich Sorgen darüber, daß es so winzig blieb. Er konnte das Wachstum nicht beeinflussen, weil ihm das genetische Buch Fesseln anlegte. Dieses „Buch der Bücher“ hielt mit einem chemischen Alphabet die Geheimnisse des Lebens fest. Das Genom hatte gasförmig neben seinem frei flottierenden Gehirn in seiner Heimatgalaxie gelegen. Als er durch den Urknall, der wie ein Klaps auf den Allerwertesten wirkte, die Dunkelheit der leeren Weite erblickt hatte, war ihm die Botschaft der DNA sofort zu Bewußtsein gekommen. Doch zurück zur wahren Geschichte.

Kurz nach Erdsonnenuntergang am dritten Tag war es dann soweit: er gebar lebendige Materie. Nachdem er die merkwürdige Kugel gereinigt hatte, leuchtete ihm ein tiefgrün schimmernder „Apfel“ entgegen. Das Signum zu diesem Ding in seiner handlosen Hand war ihm irgendwie eingefallen. Mit dieser Art der Fötusform hatte er nicht gerechnet, aber ihm dämmerte sofort, wozu diese Frucht gut sein würde. Sie soll allen Tieren, die bald den blauen Planeten bespringen und auskosten werden, die sechs Sinne schärfen und sie darüber hinaus zur Höchstevolution befähigen.

In der Nacht zum vierten Tag legte ein Tornado auf Befehl den unscheinbaren Grünling auf der einzigen durch die Wolkendecke schimmernden Insel ab. Dort hatte er kräftig zu gedeihen, bis sich alle Tierarten an ihm laben durften. Besonders in die Insekten setzte GOTT seine ganzen Hoffnungen: sie sollten die Erde zu einem lebendigen Reich gestalten. Doch ach: ihm blieb ein Schusselfehler unbemerkt. Er hatte nämlich vormals die Affen entworfen, damit sie dafür sorgten, daß seine geliebten Insektenvölker bis zur Einweihung seines Werkes nicht zu zahllos wurden. Doch dabei  unterschätzte er die Möglichkeiten von Mutationen, die während seiner gelegentlichen Abwesenheit üblicherweise zunahmen.

In der Nähe des Weisheitsbaumes, der schnell seine Aura aufbaute, hausten mit Beginn des
6. Tages zwei Urmenschen, wir nennen sie der Einfachheit halber hier Adam und Eva, die GOTT nie zuvor sah. Sie mußten sich irrtümlicherweise aus eben jenen Affen entwickelt haben und mischten sich nun in ihrer Unwissenheit in den vorbestimmten Lauf der Geschehnisse ein. Der männliche Urmensch kam nämlich auf die Idee, daß die grünen Früchte hoch oben im knorrigen Baum eßbar sein könnten. Er brach einen herabhängenden schweren Ast ab und schleuderte ihn dutzende Male ins Blätterwerk. Mit Gewalt, so hatte er schon im Kontakt mit Eva gelernt, ließ sich jedes Ziel erreichen: so auch das Herunterholen der unschuldigen Äpfel. Auf dem Mickrigsten unter ihnen nahm gerade unsere Fliege ihre heilige Mahlzeit ein, als Adams Wurfgerät ihn zufällig traf. Sie taumelte getroffen in der Baumkrone und trauerte um den Verlust, den ihr der Diebstahl zufügte. Ihr tropfte der klebrige Apfelsaft, von dem sie noch viel zu wenig getrunken hatte, vom Rüssel auf den Bauch. Aber sie merkte nichts von dieser Selbstbeschmutzung, so sehr war sie von dem Anschlag mitgenommen. Sie suchte hinter einem halbabgerissenem Blatt Zuflucht.

Adam reichte Eva in der Zwischenzeit das leicht erbeutete Obst hin. Sie ahnte nicht, weshalb er ihr den Vortritt des Probierens ließ. Er wollte in Erfahrung bringen, ob die Nahrung giftig ist. Eva biß daher unbekümmert und herzerfrischend in den Apfel hinein und grunzte dabei freudig. GOTT, der gerade lustlos in sein Paradies wie in ein Kartenhaus hineinlugte, entdeckte zu spät das Malheur. Genau die Wesen, deren Existenzfähigkeit er nicht im Traum für möglich gehalten hatte und die er für das Verdauen der weisen Früchte für am ungeeignetsten hielt, hatten von der verbotenen Frucht genascht. Ihm fiel es wie Schuppen von den Augen: die ganze Planung war zunichte gemacht. Was nun? Töten durfte er die beiden Übeltäter nicht, das verbot sich von selbst.
Adam erkannte aufgrund der Wirkung des Gegessenen mit einem Male um ihn herum die Konkurrenz, die ihm von dem krabbelnden und fliegenden Kleingetier drohen könnte. Es würde Seinen Baum kahlfressen. Er strengte sein übertaktetes, aufgemotztes Gehirn an, bis ihm die zündende Idee kam. Sofort machte er sich daran, die herumsurfenden Tierchen auszurotten. Aber übersah dabei unsere Fliege. Die Überlebende hatte sich aus Angst in das Blatt gewickelt gehabt und war längst mit dem günstigen Wind davongesegelt. Denn in diesem barbarischen Paradies wollte sie keinen Flügelschlag länger leben.

III.

ES brauchte nicht viel tun. Aus den Weiten des Alls bei einem ihrer schwierigen Schößlinge angelangt, erzeugte ES bei Gottlein - der Name „Ersiees“ ist genauer - soviel Appetit auf Experimente, daß dessen Verdauung auf Hochtouren kam. Ohne zu zögern, öffnete das göttliche Kind hinterrücks eine Hautspalte und drückte das drängelnde Endprodukt heraus. Neugierig besah sich dieser unerfahrene junge Gott sächlichen Geschlechts das Ausgewurfene und biß in dieses grünliche Etwas hinein. Nur die Apfelkerne blieben vom Mahl übrig. Ersiees spuckte sie sodann in hohem Bogen aus dem Luftfenster und ging wieder zur Tagesordnung über. Bevor der plötzliche Hunger eingesetzt hatte, war Ersiees nämlich damit beschäftigt gewesen, Wolken zu erbauen, die seine Anwesenheit verbergen sollten. Parallel dazu hatte sich Ersiees daran probiert, die ihn umfließenden Sonnenstrahlen zu einer Hängematte zu verdichten. Auch kam es zu dem Versuch, die unzähligen Atome wie Schneebälle zusammenzupappen und damit die ihn neckenden Windböen zu treffen. Da es nicht gelingen wollte, ging er den umgekehrten Weg, spaltete die Elemente in immer kleinere Teilchen auf und pustete sie in alle Himmelsrichtungen.

Doch da ereignete sich im Untergeschoss namens „Erde“ folgenreiches. Adam, der Hand in Hand mit Eva in der Wüste umherirrte, nahm das seltsame Treiben hoch oben am Firmament wahr. Er fing gezielt den „Abfall“ auf, der auf die beiden herunterprasselte. Da er nicht wußte, was er in seinen Händen hielt, verscharrte er den Fund im Sand. Als der Durst übermächtig wurde, verfiel er auf die Idee, für erquickenden Regen zu beten. Ersiees vernahm daraufhin in seinem inneren Ohr eine ihm unbekannte Stimme, die wie von fern eine Bitte vorbrachte. Sofort wurde das göttliche Wesen Feuer und Flamme und durchstach die wenigen Wölkchen, die er mühsam zu lustigen Formen gerinnen ließ, wie Luftballons. Und schon  braute sich ein solch irrationales Gewitter zusammen, das dem kleinen Gottlein Angst und Bange wurde.

Nicht so Eva. Sie freute sich über das überfällige kühle Naß und säuberte detailliert ihren Körper damit. Adam hingegen staunte nicht schlecht, als plötzlich ein Schatten neben ihm aufwuchs. Er ließ ihn nicht mehr aus den Augen, aber als die Dunkelheit hereinbrach, konnte er diesen nicht mehr erspähen. Als ihn die erste Helligkeit weckte, erhob er sich unversehens und wand sich um 180 Grad, weil er nach dem vormals entdeckten und geheimnisvollen Schatten suchen wollte. Während er umhertastete, stieß er mit seiner Brust gegen den vor ihm thronenden schlanken Apfelbaum. Sogleich tat ihm die Seite weh, wo ihm eine Rippe fehlte. Durch den Zusammenprall mit dem weißem Baumstamm schwankte das Geäst und rissen sich ein paar von dessen Früchte von ihrer Nabelschnur los. Einer der unreifen Äpfel kam genau vor seinen zwei linken Füßen mit einem „Puff“ zur Ruhe.

Das geschlechtslose Kind, das den Gewittererguß freudig studiert hatte, hatte auch den beiden Menschen zugesehen, die Opfer seiner Spielerei wurden. Ersiees grübelte kurz darüber, woher die „Untermieter“ wohl gekommen sein mögen. Zu vermuten war, daß sie sich aus Versehen aus denjenigen Stoffen entwickelt hatten, die vor nicht all zu langer Zeit von ihm wie Asche aus seinem Luftschloß herausgeblasen wurden. Diese sich bewegenden festen Stoffkörper, denen er den Beinamen „Mensch“ verpaßte, bewohnten also nun sein Wüstenparadies. In diesen hatte sich mittlerweile aufgrund der Trilliarden Regentropfen eine Oase ausgebildet.
Intuitiv begriff Adam, daß die ihm zufallende Frucht zur Sättigung seines Hungers da sein könnte. Als er jedoch von ihr kostete, überkam ihn Brechreiz. Es schmeckte scheußlich. Er wußte nicht, daß er im Begriff gewesen war, „Begriffe“, „Formeln“, „Hypothesen“, „Normen“ und viele andere fremde Dinge herunterzuschlucken. Eva, die auch vom unbekannten Baum essen wollte, griff nach einem im Sand halb verwehten Apfel. Aber Adam schlug ihr diesen mit der Warnung aus der Hand, daß sie leicht an den ungenießbaren Bissen ersticken könne. Die Enttäuschung hielt nicht lange an. Zumindest war er froh über die neue Zufluchtsstätte, die vor der sengenden Hitze schützte, so daß kein Grund mehr vorlag, diesen belebten Ort zu verlassen. Vielleicht würde ja noch besseres wachsen, das auch genießbar war?

Der von Adam aufgebrochene, angebissene und weggeworfene Apfel lag keineswegs achtlos herum. Im Stielloch fanden sich kleinste Eier, aus denen Fliegen schlüpften. Sie machten sich daran, ihre Wiege als Futter zu verwerten. Infolge der Nahrungsaufnahme wurden sie klüger und klüger. Zum Zeichen ihres am weitesten gereiften Geistes beschloß eine der Fliegen, sich mit einem farbigen Klecks auf ihrem Bauch zu schmücken. Sie wählte dazu den grünen Farbton der Quelle ihres neuerworbenen Wissens. Sobald die Bemalung getrocknet war, faltete sie ihre Flügel auf und entfloh der Oase. Sie wollte erkunden, was hinter der Wüste liegen mochte.
 

Post an Frank:   Frank.Rahde@web.de

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